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Beeinflusst durch die lebensreformerischen Ideen des russischen Schriftstellers Leo Tolstoi (* 1828 - † 1919), der zum "Rousseau des 19. Jahrhunderts" wurde, gründeten Ida Hofmann und Henri Oedenkoven 1900 auf einem Hügel in Ascona ein vegetarisches Naturheilsanatorium. Der Hügel liegt in einem Gebiet mit magnetischen Anomalien, was seit jeher zu Legendenbildungen führte.

Zusammen mit anderen Lebensreformern (Gusto und Karl Gräser, Lotte Hattemer, Jenny Hofmann) wollten sie damit ein Zentrum für alternative Lebensmodelle betreiben und nannten den Hügel "Monte Verita`". In den nachfolgenden Jahrzehnten entwickelte sich dieser Ort zum Mythos alternativen Lebens und zog zahlreiche Gleichgesinnte, Künstler und Literaten an, z.B. Erich Mühsam, Max Weber, Frieda Gross, Otto Gross, Vladimir Straskraba- Czaja, Frederik van Eeden, Johannes Nohl, Ernst Frick, Franziska zu Reventlow und Gerhart Hauptmann. Auch Hermann Hesse hielt sich kurzfristig zu einer Kur auf dem Monte Verita auf. In seinem "Glasperlenspiel" klingt seine Freundschaft zu Gusto Gräser an, dem Eremiten vom Monte Gioia, der zeitweise in einer Höhle bei Arcegno, unweit des Monte Verita lebte. Diese Höhle gilt bis heute als heiliger Ort der späteren Hippiebewegung. Künstler, Anarchisten, Vegetarier, Theosophen, aber auch Sonderlinge lebten ihre Lebens- entwürfe auf dem Monte Verita. 1920 endete die erste Epoche in der Geschichte des Berges mit der Auswanderung Ida Hofmanns und Henri Oedenkovens nach Brasilien.

Zwischen 1923 und 1925 wandelte sich der Monte Verita unter den Künstlern Robert Landmann, Hugo Wilkens und Max Bethke mehr und mehr zu einer expressionistischen Künstlerkolonie. Wegen finanzieller Schwierigkeiten wurde der Monte Verita 1925 an den Bankier von Kaiser Wilhelm II., den Kunstsammler Baron Eduard von der Heydt, verkauft. In den Folgejahren ließ der Baron ein neues Kurhotel bauen und umfangreiche Parkanlagen anlegen. Der Ort wurde zum Pilgerzentrum für moderne Kunst. Nach dem Tod Eduard von der Heydts 1964 übernahm der Kanton Tessin die gesamte Anlage. Im Kongresszentrum finden heute bedeutende wissenschaftliche Veranstaltungen statt. Die Einrichtungen aus den verschiedenen Epochen des Monte Verita sind noch zugänglich und lassen vieles von dem erahnen, was die Lebensreformer und Künstler bewegt haben mag. In der Casa Anatta ist ein interessantes Museum zur Geschichte des "heiligen und magischen Ortes" eingerichtet.

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