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Alfred Andersch * Max Frisch * Golo Mann
Die drei namhaften Schriftsteller hatten sich zurückgezogen: in ein von der Bevölkerung fast ganz verlassenes Dorf im Onsernonetal, erreichbar über eine damals noch abenteuerliche Gebirgsstraße. Dafür fanden sie dort Ruhe und Natur pur, notwendige Lebensmittel für ihr Schreiben.

Das waldreiche Val Onsernone war bis etwa 1900 ein wichtiges Zentrum der Strohflechterei. Aus diesen Zeiten relativen Wohlstands stammen auch die einzelnen Bürgerhäuser in den Orten des Tals. Danach wanderten viele Bewohner aus oder suchten sich Saisonarbeiten in Oberitalien. In vielen Dörfern wurde es sehr ruhig.
In den Nachkriegsjahren hatte sich bereits der Historiker und Autor Golo Mann, ein Sohn Thomas Manns, in das Dorf Berzona, oberhalb von Loco, zurückgezogen. Seit 1958 bewohnte dann Alfred Andersch ("Sansibar oder der letzte Grund", "Die Rote", Winterspelt") das Haus neben der Gemeindeverwaltung von Berzona und lebte dort bis zu seinem Tod 1980. Auf dem kleinen Dorffriedhof am Ortseingang liegt er zusammen mit seiner Frau Gisela begraben. Unterhalb des winzigen Friedhofs befindet sich das bei Insidern bekannt gewordene Domizil von Max Frisch ("Homo Faber", "Stiller", "Andorra", "Biedermann und die Brandstifter", "Montauk"), das er von 1964 bis kurz vor seinem Tod 1991 zu seinem Hauptwohnsitz machte. Daneben hatte er Wohnungen in Zürich, Berlin und New York. Das Haus in der Einsamkeit des Onsernonetals baute er sich, selbst ja auch ausgebildeter Architekt, nach seinen Wünschen aus. In einem Anbau, dem "Schreibturm", entstanden viele seiner weltberühmt gewordenen Werke. In seiner Erzählung "Der Mensch erscheint im Holozän" (1980) hat er Berzona und das Tal schriftstellerisch verewigt. Nach seinem Tod wurde seine Asche auf seinen Wunsch hin auf dem Grundstück des Hauses verstreut. Eine Gedenktafel an der Friedhofsmauer erinnert an seine Zeit in Berzona.
Ehemalige Nachbarn können sich noch an die drei Schriftsteller erinnern, wenn sie, laut debattierend bei einem Krug Merlot oder Nostrano sitzend, gemeinsam Skat oder Schach spielten und die Neuigkeiten aus dem Tal oder der Welt diskutierten...
Dann war Berzona der Nabel der Welt.